Übel mitgespielt
UnternehmenProduktePresseKontakt

[Home][Presse][Übel mitgespielt]

Übel mitgespielt

I

Übel mitgespielt

29.05.2002

Ein Unternehmensberater wurde von der Zeitschrift „Finanztest“ als Abzocker bezeichnet, weil er eine Fax-Anfrage nicht beantwortet hatte.

 Peter Nothelfer, Thomas OhlDer Sindelfinger Unternehmens- und Anlageberater Peter Nothelfer hat seine Lektion weg. Seit 1989 ist er unabhängiger Berater und bis dato dabei durchwegs erfolgreich. Sein Pech war, dass er ein Mailing an 30.000 Steuerberater versandt hatte, in dem er potenzielle Interessenten – ohne allzuviel Hintergrundinformation zu liefern – auf das von ihm vertriebene fremdfinanzierte Kapitalanlagekonzept „Logoplan Vario Euro“ aufmerksam machen wollte. Irgendjemand hat diese Werbeaussendung an die Zeitschrift „Finanztest“, das Verbraucherschutzmagazin der Stiftung Warentest, weitergeleitet, wo es bei einer Redakteurin landete, die die im Werbetext enthaltene Musterrechnung nicht nachvollziehen konnte.

Vier Werktage Zeit
Per Fax wurde Nothelfer kontaktiert und aufgefordert, binnen vier Werktagen Unterlagen zu seinem Produkt zu übermitteln. Und da unterlief Nothelfer ein folgenschwerer Fehler. Er sah nicht ein, warum er einer gefaxten Aufforderung mit einer solchen Fristsetzung folgen sollte. Danach erfolgte laut Nothelfer keine weitere Kontaktaufnahme durch „Finanztest“. Fünf Wochen später kam für ihn dann das dicke Ende, denn in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift stand unter der Überschrift „Hände weg vom Logoplan“ folgender Text: „FINANZtest warnt vor dem Konzept Logoplan Vario Euro, das eine nicht benannte kleine Schweizer Geldproduktschmiede entwickelt hat. In Deutschland wird es von der
Peter Nothelfer Unternehmens- und Wirtschaftsberatung in Sindelfingen angeboten. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass es sich hier um ein neues Abzockerangebot handelt. Das angeblich bankfinanzierte Einkommenssicherungskonzept, das als „Generationenrente für Clevere“ bezeichnet wird, kostet zunächst viel Geld. 250 Euro pro Monat sollen Anleger 15 Jahre lang einzahlen, um später regelmäßige Monatszahlungen von zirka 1.000 Euro zu erhalten. Diese werden angeblich bis zum Tod des Einzahlers selbst und seiner Familie gezahlt – bis zu 78 Jahren. Auf die Frage, wie die wundersame Geldvermehrung funktioniert, erhielten wir bis Redaktionsschluss keine Antwort von der Peter Nothelfer Unternehmens- und Wirtschaftsberatung.“

Klienten abgesprungen
Nothelfer war fassungslos, einige avisierte Termine mit Interessenten für sein Konzept wurden gestrichen, und Bekannte riefen ihn bestürzt an. Er, der sich sich seit vielen Jahren von wenig qualifizierten Beratern distanziert und sich auch seine Klientel vornehmlich im Kreis wirtschaftlich informierter Berufsgruppen – wie z. B. Anwälte und vor allem Steuerberater und Wirtschaftsprüfer – sucht, steht plötzlich als „Abzocker“ in einer bundesweit erscheinenden Zeitung.
Das Skurrile am Vorwurf der Verbraucherschutzzeitung ist die Tatsache, dass der Logoplan – gemessen an Konkurrenzangeboten – billiger gepreist ist und zudem mit einem vorbildlichen, extrem umfangreichen Gesprächsprotokoll versehen ist. Dem Logoplan-Zeichner wird eine Liste mit ungeschminkten Risikohinweisen und Warnungen vorgelegt, die er auch alle einzeln unterschreiben muss. Der Logoplan (siehe auch Artikel Seite 58f) ist ein an sich unspektakuläres Zinsdifferenzgeschäft, bei dem der Anleger zwei Darlehen aufnimmt und die geliehenen Beträge in eine SMI-Police und einen Investmentfonds investiert. Mit Hilfe eines Entnahmeplans (7,5 % Entnahme bei 8 % Renditeannahme) bei der SMI-Versicherung und einer monatlichen Zuzahlung von 180 bis 250 Euro (beim Standardmodell) werden die Kreditzinsen 15 Jahre lang bedient, danach sollte das Kapital des Fondsvermögens (bei rd. 8 % Rendite) den Kredit tilgen, übrig bleibt die SMI-Police, aus der bei einer Renditeannahme von 8,5 Prozent eine monatliche Entnahme von 1.000 Euro problemlos möglich sein sollte. In den Unterlagen wird offen die Frage gestellt, ob die Planrechnung aufgehen kann, und Nothelfer hat zusammen mit seinem Kooperationspartner Thomas Ohl auch hier sauber recherchiert. Wie die historischen – seit den 50er Jahren – Ertragsdaten von international anlegenden Aktienfonds (in der Planrechnung sollen sie ja die Tilgung vornehmen) zeigen, hätte man in der ungünstigsten 15-Jahres-Periode 7,77 Prozent Durchschnittsrendite erzielt und in der besten 17,40 Prozent. Hier im Logoplan mit acht Prozent zu rechnen, sollte legitim sein. Und selbst wenn nicht einmal diese Werte erreicht werden, wurde der Anleger keineswegs „abgezockt“, sondern muss nur eine etwas längere Finanzierungsphase in Kauf nehmen. Auch die SMI-Police kann historische Ergebnisse von 11 bis 14 Prozent über den benötigten Zeitraum vorweisen, in der Kalkulation wurden hingegen für die Entnahmen zur Zinszahlung 7,5 Prozent und in weiterer Folge 8,5 Prozent Durchschnittsertrag angesetzt.
Nothelfer macht trotz der vorsichtigen Kalkulation kein Geheimnis daraus, dass eine bankfinanzierte Kapitalanlage, wie sie von der Schweizer Firma Logorent AG, Zug, entwickelt wurde, so wie auch alle anderen bankfinanzierten Anlagekonzepte mehrere Risikokomponenten enthält: „Natürlich besteht das Zinsänderungsrisiko, die Gefahr, dass die Tilgungsträger nicht die gewünschte Rendite bringen oder dass sich die Steuergesetzgebung ändert, aber wir weisen beim Verkauf ausdrücklich und unmissverständlich auf diese Punkte hin.“ Vom Logoplan wurden bisher erst etwa 70 Abschlüsse getätigt. Man konzentriert sich auf ein sorgfältig aufgewältes Minimum von Vertriebspartnern – „aus Angst, dass der Logoplan an die falschen Anleger verkauft wird“, wie er sagt. Bisher haben nur er selbst und sein langjähriger Kooperationspartner, der Münchner Finanzkaufmann Thomas Ohl, das Produkt vertrieben.

„… halten wir für unseriös“
Der Unternehmensberater hat nach Erscheinen des Artikels einen erbosten Brief an den Herausgeber von „Finanztest“ geschrieben, in dem er wissen wollte, ob eine derart oberflächliche Recherche tatsächlich genügt, um ein Anlagekonzept als „Abzockerangebot“ zu bezeichnen. Beantwortet wurde sein Schreiben von der Redakteurin, die auch den Artikel verfasst hatte – mit dem lapidaren Schlusssatz: „Das von Ihnen angebotene Produkt halten wir für unseriös. Es ist rein rechnerisch völlig unrealistisch. Wohl deshalb haben Sie weder unseren Lesern noch uns gegenüber nähere Erläuterungen abgegeben. Auch einen Prospekt haben Sie bis heute nicht geschickt.“ Gegenüber FONDS professionell bestätigte sie telefonisch, dass ihre negative Beurteilung des Anlagekonzepts ausschließlich auf Basis des Werbe-Mailings und der nicht erfolgten Rück-meldung auf ihre Anfrage erfolgte – Zitat: „Das sind typische Anzeichen für unseriöse Angebote.“

Gerlach ist zur Stelle
Inzwischen hat sich auch schon die Heinz Gerlach Medien AG bei Nothelfer gemeldet und ihn aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Sylvia Hotz, Leiterin der Analyseabteilung für „Direkter Anlegerschutz“ und
www.anlegerschutz-check.de, verweist in dem Schreiben auch gleich auf die geltende Rechtsprechung, wonach der Vertrieb, insbesondere in die Anlageberatung eingeschaltete Banken und Sparkassen sowie eigenständige Berater verpflichtet sind, kritische bzw. warnende Informationen aus den einschlägigen Medien und von Rating-Agenturen vor Vertragsabschluss auszuhändigen – das Wort „vor“ ist unterstrichen.
Nothelfer wurde mit Schreiben am 30. April per Fax „eingeladen“, für den Research-Dienst „Direkter Anlegerschutz“ bis zum 7. Mai eine Stellungnahme abzuliefern, in der
entweder beweisfähig und nachvollziehbar die in dem Finanztest-Artikel aufgezeigten sachlichen (!) Kritikpunkte entkräftet werden
oder in der konkret aufgezeigt ist, dass in dem Zeichnungsprospekt über die Kritikpunkte vollumfänglich, gedanklich geordnet und verständlich aufgeklärt wird.
Abschließend wird ihm noch empfohlen, einen unabhängigen, etablierten Branchenanwalt oder Wirtschaftsprüfer zuzuziehen, der überprüfen soll, ob aus der Veröffentlichung und Nothelfers Stellungnahme in der Anlageberatung zusätzliche Aufklärungspflichten bestehen.

Rechtliche Schritte
Der Unternehmensberater ist nun gezwungen, rechtliche Schritte gegen das Verbraucherschutzmagazin einzuleiten, weil er andernfalls bei jedem Verkaufs- bzw. Beratungsgespräch den „Finanztest“-Artikel vorlegen müsste – was angesichts des guten Rufs der Zeitung vermutlich viele Anleger von einem Abschluss abhalten würde. Tatsächlich hatte Nothelfer bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe bereits eine Klage eingereicht.
Für die Finanzbranche allgemein lässt sich aus dieser Geschichte vor allem eines ableiten: Jede Anfrage von Fachmedien sollte tunlichst sofort ernst genommen und möglichst beantwortet werden, auch die Zuziehung eines Anwalts und die exakte Dokumentation des Schrift- und Telefonverkehrs sind ratsam. Vor allem die dem „Verbraucherschutz“ zuzurechnenden Zeitschriften sind daran gewöhnt, dass ihre Artikel vor Gericht angefochten werden, sie verfügen daher über entsprechend versierte Anwälte bzw. Rechtsabteilungen. Vor allem kurzfristig hilft es wenig, wenn man nach ein oder zwei Jahren doch Recht bekommt – entstandene Schäden sind extrem schwer nachzuweisen, und selbst eine Gegendarstellung, die viele Monate nach der ersten Geschichte erscheint, kann nicht verhindern, dass ein Rest Misstrauen („Irgendetwas wird schon dran sein, wenn das XY-Magazin warnt“) bleibt.     

Das Urteil: Berater muss auf kritische Medienberichte hinweisen

Es ist ein Urteil des Landgerichts Hannover (Az.: 13 O 3037/01), das am 9. November des Vorjahres einem Anleger in seiner Schadenersatzforderung Recht gegeben hat, das die Bedeutung negativer Presseberichte dramatisch verschärft hat. Dem Anleger wurde ein Schadenersatz zugesprochen, weil ihm von einem AWD-Mitarbeiter Anteile an einem geschlossenen Immobilienfonds verkauft worden waren, ohne ihn „ausreichend“ über die damit verbundenen Risiken zu informieren. Da der Anleger am Ende tatsächlich Geld verloren hat, kam das Gericht zu dem Schluss, dass ihn der Berater auch auf die zum Verkaufszeitpunkt bereits publizierten negativen Presseberichte über den umstrittenen Dreiländerfonds DLF 94/17 hinweisen hätte müssen. In der ungünstigsten Auslegung dieses Urteils könnte sich im Grunde jeder Anleger, der bei einem mit einem Risiko behafteten Investment (und welches ist das nicht?) Verluste erleidet, nachträglich auf die Suche nach kritischen Medienberichten über den Initiator bzw. das Anlagemodell machen und anschließend seinen Berater belangen.

Quelle: FONDS professionell

[1][2][3]

Copyright (c) 2019 Peter Nothelfer. Alle Rechte vorbehalten.

nothelfer@nothelfer-consulting.de